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Auf dem Weg |
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Der Wegweiser wies die Richtung wirklich nicht eindeutig, und ich fühlte mich einen Augenblick lang verunsichert, welchen Weg ich einschlagen sollte. Zum Nachdenken oder Kartenstudium blieb jedoch keine Zeit. Ich ordnete mich ein und bog links ab. Und wußte im gleichen Moment, daß die Entscheidung falsch gewesen war. Ich würde mich vom Ziel entfernen. Ich verringerte die Geschwindigkeit, suchte eine Stelle, an der ich halten, den Plan studieren, vielleicht jemanden fragen könnte, aber sofort ertönte hinter mir aufreizendes Hupen. Wenigstens wenden mußte ich. Mein Ziel lag in entgegengesetzter Richtung!. Jetzt aber da ich langsamer fuhr, rasten die Wagen rechts und links wie wahnsinnig an mir vorbei, und ich fand keine Lücke, erreichte nicht einmal die Standspur. Die Straße wurde schmaler. Die Ortschaften lagen bereits hinter mir und hohe Schallschutzzäune oder Mauern raubten mir alle Sicht auf das Land. Am Rande meines Gesichtsfeldes sah ich eine letzte Kreuzung vorbeihuschen. Ich wußte, es war wirklich die letzte. Jedesmal, wenn ich langsamer fahren wollte, tönte hinter mir die gleiche schrille Hupe und ohne Umweg über das Hirn trat dann mein rechter Fuß auf das Gaspedal. Es begann zu dunkeln und immer weniger Wagen fuhren vor mir. Nur im Rückspiegel blendeten mich die zwei gleißenden Scheinwerfer des Automobils mit der schrillen Hupe. Obwohl ich so schnell wie nie zuvor raste, verschwand weit vor mir das letzte sichtbare Rücklicht im Dunst oder hinter einer Biegung und plötzlich wurde mir bewußt, daß auf der Gegenfahrbahn schon lange keine Fahrzeuge mehr fuhren. Angestrengt starrte ich hinüber. Aber dort gab es keine Straße! Hatte sie je existiert?
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Der schwere Motor meines Wagens brummte gleichmäßig und in mir wuchs ein Verdacht, der sich sofort bestätigte, als ich auf die Tankuhr blickte und den Fuß vom Gaspedal auf die Bremse stellte. Obwohl ich nun seit Stunden fuhr, stand der Zeiger unverändert und die Geschwindigkeit änderte sich durch mein heftiges Bremsen nicht. Panik schlug über mir zusammen, und ich ließ das Lenkrad los, riß die Hände vor die Augen. Als ich wieder Gewalt über meine Sinne bekam, merkte ich, daß jetzt auch die drängenden Lichter hinter mir verschwunden waren. Ich schoß in irrsinnigem Tempo allein durch eine schwarze Röhre. Oder nahm ich die anderen Automobile um mich herum nur nicht mehr wahr? Vielleicht ging es deren Insassen so wie mir? Erlebten wir alle das gleiche Trauma der Isolation? Aber der Einzige, der in die falsche Richtung fuhr, war ich! Dann sah ich aus der undurchdringlichen Schwärze die Wand, an der meine Straße endete, emporwachsen und im gleichen Augenblick wußte ich die Wahrheit: Von Beginn an hatte es für mich nur diese eine Straße gegeben... 1. 4. 1994
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